Max Musterdieb
Max Musterdieb

Auf den Spuren des Herrn Wittich und seiner Frau

L.W. Wittich auf Pinterest:

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L.W.Wittich (1773-1832) war laut Berliner-Klassik-Portal ein bekannter Verleger, Maler- und Radiererdilettant in Darmstadt, Giessen, Frankfurt, Leipzig, Breslau und Berlin sowie Mitglied des Berliner Künstlervereins und ab 1817 sein "Säckelmeister". Eine umfangreiche Biografie aus dem Jahr 1832 oder später liefert dieser Link:

1798 trat er für 7 Jahre in das Geschäft des Buchdruckers und Buchhändlers Unger in Berlin ein. Die Ungersche Druckerei befand sich im östlichen Teil der Jägerstraße. Dort bekam er die Möglichkeit die Beschreibung des Maskenballs zur Einweihung des Nationaltheaters 1804 als auch die Theaterkostüme unter Iffland selber herauszugeben. Iffland war ein berühmter deutscher Schauspieler und seit 1796 Direktor des Berliner Nationaltheaters. Nach dem Tod Ungers eröffnete Wittich sein eigenes Geschäft. 1807 verbrachte er ein halbes Jahr in Königsberg um dem französisch-preussischen Krieg und der napoleonischen Besatzung zu entgehen. Als sich Napoleon 1807 Königsberg näherte kehrte er auf Umwegen nach Berlin zurück und bemühte sich sein Verlegergeschäft wieder zu beleben. Als es mit dem Buchhandel nicht mehr so gut lief versuchte er es mehr mit Kunsthandel. Er lernte Francisca Dorothea Römer aus Darmstadt kennen. Sie lebte seit 1806 als Gesellschafterin der Kurprinzessin von Hessen-Kassel im Berliner Exil. 1809 heirateten sie und Frau Wittich war die Herausgeberin der Stickschriften aus dem Hause Wittich. Ihre Idee war es Bilder von Malern als Vorlage für Stickmuster zu verwenden. Sie trug wesentlich zur Entwicklung dieses Gewerbezweiges in Berlin bei. L.W. Wittich wurde 1813 von der Kunstakademie zum "Akademischen Künstler" ernannt. Das schützte seine Veröffentlichungen vor Nachahmung. 1831 übernahm sein ältester Sohn Georg Wilhelm das Geschäft, dessen jüngerer Bruder Heinrich wurde Maler. Heinrich wurde mit den Bildern "Edelknabe mit Flinte", "Edelfräulein mit Falke", "Edeldame", "Lautenspielerin am Fenster", "In Träumen versunken" sowie "Mädchen mit Früchten in der Schüssel" bekannt.

Und so sieht der Edelknabe mit Flinte aus:

Der Edelknabe gestickt:

Es ist nur eine Vermutung von mir, aber diese gestickte Dame könnte das "Edelfräulein mit Falke" sein.

1822 wurde von L.W. Wittich die Festschrift für das Lalla-Rukh-Schauspiel im Berliner Stadtschloss veröffentlicht:

 

"Charlotte von Preußen stand zu ihren Lebzeiten „hoch im Kurs“. Heute wohl wieder. Die Prinzessin, die an der Seite von Nikolaus I. die russische Zarin Alexandra Fjodorowna wurde, war die älteste Tochter König Friedrich Wilhelms III. und seiner Frau Luise sowie die Lieblingsschwester Friedrich Wilhelms IV. 1821, beim ersten Besuch Charlottes in Berlin und Potsdam nach ihrer Heirat, wurde ihr zu Ehren das Festspiel „Lalla Rukh“ im Berliner Stadtschloss gegeben. Auch während des „Festes der weißen Rose“ 1829 im Neuen Palais stand das Zarenpaar im Mittelpunkt. Und Friedrich Wilhelm IV. ließ das Orangerieschloss im Park Sanssouci für eventuelle Besuche seiner Schwester herrichten."(Tagesspiegel, Potsdamer Neue Nachrichten, 16.08.2011)

"Ein Verlagsverzeichnis von 1839  führt rund 20 Kupferstichwerke, 33 Stiche, Berlinansichten, Porträts, Altmeisterreproduktionen und eine Reihe von Stick- und Strickvorlagen auf." (Reimar F. Lacher, Berliner Klassikportal):

Verlags-Verzeichnis von L. W. Wittich in Berlin, Französische Straße 43, Kopie in der Kunstbibliothek Berlin

 

Zu Wittichs bekanntesten Veröffentlichungen zählen die "Architektonischen Entwürfe" von K.F. Schinkel - von 1820 bis 1831 sind das 18 Hefte. Von 1819 bis 1824 bringt er auch Schinkels Entwürfe für die Dekoration in den königlichen Schauspielhäusern heraus. Am populärsten dürfte das Bühnenbild "Die Sternenhalle der Königin der Nacht" sein.

Eine kurze Zusammenfassung der Wittich-Vorlagen für "berlin wool work", die ich im Internet aufgestöbert habe:

Aus dem Regionalarchiv Rivierenland:

Im Regionalarchiv kann man sich gut an die Details heranzoomen und die Bildtitel, falls solche vorhanden sind, genau ansehen.

Zum Beispiel "Blatt 3000 - Il Decamerone"

"Rebecca am Brunnen" Blatt 2500 - nach Horace Vernet

"Abraham verstößt Hagar" - Blatt 2650 - Gegenstück zu Blatt 2500 Rebecca am Brunnen nach demselben Meister

Wer war Horace Vernet?

La Vièrge au poisson d'après Raphael

Die Jungfrau mit dem Fisch hängt im Prado in Madrid.

Raffaello Sanzio - Sacra Famiglia con Rafael, Tobia e San Girolamo, o Vergine del pesce

Eine englischsprachige Erklärung der Symbolik auf diesem Gemälde:

"Madonna of the Fish, known also as Madonna with the Fish is a painting by the Italian master Raphael in the gallery at Madrid and is done in the painter's most perfect style. Mary sits enthroned with the Jesus on her knee. On one side is St. Jerome kneeling by the Lion; he is holding a book. On the other side the archangel Raphael is presenting at the foot of the throne the young Tobias, whom he formerly guided to the River Tigris, and who bears the miraculous fish whose heart, liver and gall were to restore his father's sight, and drive the demons from his bride. Tobias with his fish was an early type of baptism. Raphael leading Tobias always expresses protection, and especially protection to the young. The picture is believed to have been painted to commemorate the introduction of Book of Tobit among the canonical books of the Roman Catholic Church. St. Jerome translated the Book of Tobit into Latin, which explains his presence on the right of Mary." (Quelle: Wikipedia).

Die Quadriga aus dem Historischen Museum Basel:

Auf den folgenden zwei Blättern sind das Schloss auf der Pfaueninsel und der Ruinenberg gegenüber von Schloss Sans Soucis in Potsdam abgebildet.

Hier links das Original.

Ruinenberg.jpg
Von Johann Friedrich Schleuen - Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert. Potsdam 1993, page 108, Gemeinfrei, Link

Aus dem Museum of New Zealand ein Ornament, ein Blumenkranz (Blatt No. 3842 mit der Adresse Behrenstr.53) und ein Blumenstrauß

Aus dem textilemuseum of Canada:

Aus dem digitaltmuseum.se

Aus der Sammlung Cooper Hewitt, New York:

Und noch einen Ausflug ins Victoria & Albert-Museum nach London:

Hier habe ich mir einmal den Blumenkranz herausgegriffen. Die Anfangsbuchstaben der abgebildeten Blumen ergeben das Wort "Freundschaft". Freundschaft ist auch der Titel des Blattes.

Ähnlich verhält es sich mit diesem Blumenstrauss "Andenken"

Zu L.W. Wittichs Werken gehört auch die Ansicht seines Wohnzimmers von 1828. Das Bild hängt im Stadtmuseum Berlin, leider habe ich keine online-Version gefunden. Die Familie bewohnte um 1820 ein Landhaus am Tempelhofer Berg heute Kreuzberg, "es war ein zweigeschossiger Bau mit hohen Fenstern und langgestrecktem Balkon inmitten eines schönen Gartens" (Ute Laur-Ernst, Die Stadt Berlin in der Druckgrafik 1570-1870). Bei Gernot Ernst, Die Stadt Berlin in der Druckgrafik 1570-1870, findet sich auch eine Lithografie des Anwesens auf S.832.

Das Geschäft befand sich anfangs in der Oberwallstr. 13 Ecke Jägerstraße.

1806 - 1813 befand sich auch Berlin unter napoleonischer Besatzung.

1842 finde ich den Stickmuster-Verlagshändler G.H.W.M. Wittich unter der Adresse Französischestr. 43.Cp.F.L.W. Wittich.

Der Historienmaler H.Wittich wird in der Potsdamer Str. 14 vermerkt.

1852 befindet sich die Stickmuster-Verlagshandlung L.W.Wittich in der Behrenstr. 53.

aktuell:

Historische Strick- und Stickmuster

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