Max Musterdieb
Max Musterdieb

Max Strickmuster 2015/1

Winter 2015

 

The Priscilla Bead Work Book

Noch im letzten Jahr hatte ich lange nach dem Priscilla Bead Work Book im Internet gesucht. Ich hatte dann auch eine Ausgabe bei der antiquepatternlibrary gefunden. Später fand ich es im online-Antiquariat und mein Weihnachtssparschwein wurde geschlachtet. Viel zu teuer war's und dann noch mit den shippingcosts und ewiger Wartezeit aus den U.S.A. - bitte warten...

...seit dem 26.Dezember schmort das Heftchen schon beim Zoll in Frankfurt...

 

...13.02.2015 und schnell noch zum Zollamt in Berlin und eine Stunde warten und 6,10€ Einfuhrzoll bezahlen.

Ein Eindruck von Boston, dem Sitz der Priscilla Publishing Co., im Jahr 1903:

Eine Pinwand zu bead art

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Bei grannys-garret.com gibt es eine "Häkel-Terminologie" english/deutsch.

Hier geht's zum "free download"

 

Priscilla Bead Work Book free download
Priscilla - Bead Work Book.pdf
PDF-Dokument [9.5 MB]

Das Heft gibt es nun auch wesentlich besser eingescannt bei der antiquepatternlibrary!

Die allgemeine Anleitung für "Beaded Knitting" (Perlenstrickerei) habe ich im nachfolgenden Word-Dokument ins Deutsche übersetzt.

 

Die Perlen sollten vor dem Stricken aufgefädelt und auf eine Spule gewickelt werden. Bei einem großen Projekt kann es nötig werden die Perlen in mehreren Abschnitten aufzufädeln und an den Enden, an denen man diese verbinden will längere Fäden zu lassen, am besten ist es aber mit nur einem Faden zu arbeiten.

Beim Stricken gibt es mehrere Arten die Perlen zu platzieren. Im ersten Fall lässt man die Perlen auf dem Faden zwischen zwei Maschen (wie bei der „Pitcher Purse“ (Kannentasche), Fig.27 auf Seite 24).

Wenn man linke Maschen strickt bleibt die Perle dabei auf der Seite auf der man arbeitet. Wenn man rechts strickt erscheint die Perle auf der Rückseite.

Bei der zweiten Methode strickt man glatt rechts und schiebt die Perle mit auf die Masche auf die Vorderseite.

Bei der dritten Methode strickt man die Masche rechts verschränkt und schiebt die Perle mit auf die Masche auf die Vorderseite.

Die letzte Art ist die bei den alten Taschen verbreiteste und sie führt auch zum besten Ergebnis.

Viel wird dennoch auch zwischen den Maschen wie bei den Fig. 7 und 9, Seite 12 gearbeitet, oder wie bei der gestrickten Tasche, Fig.29, Seite 29 und den „Miser’s Purses“ (miser = Geizhals) , Fig. 49 und 50, Seite 39: zwei oder drei Perlen verbleiben auf dem Faden wenn der um die Nadel gewickelt wird. Letztere Methode heißt auch „purse stitch“, dieser wird auch bei der Fig. 29, Seite 29 erklärt.

Wie man die Perlen bei Mustern mit mehreren Farben auffädelt:

Wenn man bei der Tasche oben zu stricken anfängt beginnt man rechts in der untersten Reihe mit dem Auffädeln in die linke Richtung und fädelt die Reihe zweimal hintereinander für Vor- und Rückseite auf. Bei dieser Methode ist die letzte aufgefädelte Masche die erste die gestrickt wird. Wenn das Auffädeln aller Perlen auf einen einzigen Faden, in Anbetracht der Größe der Tasche nicht möglich ist wird der Faden aufgeteilt. Nimm die ersten 20 Reihen von oben für den ersten Abschnitt und beginne oben rechts in der 20.Reihe und arbeite weiter wie vorhin oben beschrieben. Wenn dieser erste Abschnitt gestrickt ist fädle die nächsten 20 Reihen auf.

Heutzutage (1912!) sind Häkeln, Weben und Straminstickerei die gängigsten Arten um gut designte Perlentaschen herzustellen, dennoch sollten wir dem Vorläufer, der alten gestrickten Tasche unserer Großmutter Beachtung schenken. Es gibt noch so viele davon in unterschiedlichem Erhaltungszustand, dass der Eindruck entstehen könnte, zu jener Zeit wären nur gestrickte Taschen modern gewesen.

Ungewöhnlich viele sind auf diesen Seiten für uns reproduzierbar geworden. Einige sind über hundert Jahre alt, andere noch älter. Von einer Tasche ist bekannt, dass sie von einer Frau gestrickt wurde, die 92 Jahre alt wurde und von 1738 bis 1830 lebte. Seit wir wissen, dass sie diese „Rosentasche“ neben vielen anderen als junge Frau strickte bedarf es nicht vieler Fantasie diese die „Rosentasche von 1760“ zu nennen. Es ist die No.1513 (S.16), ein ungewöhnlich schönes Stück.

Aber alle sind so hübsch (vor allem nachdem die Risse alle verschlossen, die Mottenlöcher ausgebessert und das Futter ersetzt wurde), dass es unfair wäre einige besonders hervorzuheben. Die No.1515 „Burg mit Graben“(S.17)  stellt nicht nur ein malerisches Motiv dar, sondern ist auch wunderschön. Das Wertvolle kommt auf dem Foto gut zur Geltung. Die matten Farben wirken wie auf einer Pastellzeichnung. Die No.1531 (S.32) mit goldenen und geschnittenen schwarzen Jetperlen repräsentiert eine andere Entstehungszeit. Das Muster in goldfarben und pechschwarz ist charmant. Und das sind wirklich alle diese Taschen.

Perlenstrickerei übersetzt
Perlenstrickerei Übersetzung.pdf
PDF-Dokument [31.7 KB]

So sieht das S/W-Foto in Priscillas Bead Work Book für Modell No.1501, S.5 aus.

Diese Tasche aus dem Metropolitan Museum in New York kommt unserem Retikül (ein bestimmtes Taschenmodell) ziemlich nah, vielleicht war es ein verbreitetes Motiv.

 

In der folgenden Galerie findet sich die allgemeine Anleitung zum Beaded Knitting, die spezielle Erläuterung zum Modell 1501, die grafische Aufbereitung des Musters, die Zuordnung der Symbole zu den Farben sowie ein weiteres Foto der Tasche.

In dieser Tabelle kann man die Zeichnungssymbole, die Anzahl der "bunches" und die Angaben zu den Farben der benötigten Perlen ablesen. Wieviele Perlen ein Bündel (bunch) wohl enthält?

 

Für ein Segment benötigt man 33 orange Perlen. 33 x 9 = 297 Perlen. Mit Vorder- und Rückseite das Doppelte, ergibt 594 Perlen. 

Die Menge wird mit 2 "bunches" angegeben.

 

Für Dunkelrot benötigt man 434 Perlen in einem Segment. 434 x 9 = 3906 Perlen. Und noch verdoppeln, ergibt 7812 Perlen. 

Hier wird die Menge mit 10 "bunches" angegeben.

 

Die Perlenanzahl schreckt mich richtig ab so ein Projekt in Angriff zu nehmen...

 

Die Perlengröße ist 5/0, das sagt mir bis jetzt nicht viel. Heute wären das 5mm Durchmesser, die hier verwendeten sind allerdings wesentlich kleiner.

 

 

Hier kann man sich das Blatt als pdf downloaden und ausdrucken:

Farb- und Symbolschema
1501 Farbschema.pdf
PDF-Dokument [348.7 KB]

 

Bei der Lösung des Rechenrätsels mit den "bunches" und der Frage nach der Größe der Perlen bin ich nach dem Lesen der Einleitung etwas weitergekommen.

Bead Work and How to Do It

 

... die unterschiedlichen Größen der Perlen werden wie folgt bezeichnet:

„5/0 cut“ sind die feinsten Perlen und ungefähr 600 davon sind in einem Bund enthalten

„Seed beads“ sind die größeren Perlen und es sind ungefähr 1000 Stück in einem Bund;

„gold plated“, „French gilt“ und „steel“(Stahl) gibt es in unterschiedlichen Größen (numeriert) und es befinden sich etwa 1200 Perlen in einem Bund,

wohingegen bei „round steel“ ungefähr 1500 pro Bund enthalten sind. Von diesen Annahmen gehen die Schätzungen der Bundanzahl aus.

„Purse twist“ verwendet man bei Seed beads, Gold, Stahl etc. „Spool Silk“ No. C oder D bei feineren Perlen. No. A Silk benötigt man für die feinsten Arbeiten mit Perlen. Es ist von Vorteil den Faden etwas einzuwachsen, bevor man mit den Perlen näht.

Bead Needles „No.16“ sowie Crewel needles(Sticknadeln) No.12 werden für die meisten Arbeiten benötigt.

Die englischsprachige Seite dieses Perlengeschäftes hat bei mir einen richtigen "Aha-Effekt" ausgelöst. Hier sieht man schön die englischen Perlennamen und gleich die passende Abbildung dazu.

My Vintage Charms hat wirklich ausgefallene Perlen!

Einen allgemeinen Überblick über die verschiedenen Arten von Mineralien bietet meine Gemstonepinwand.

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Auf der nun folgenden Pinwand kann man die verschiedenen Garnarten der um 1900 in den USA beliebten Firma Corticelli sehen. Purse Twist ist sehr fein, Spool Silk No. A und D sind auch zu erkennen und die Garnschränkchen sind natürlich der Hingucker!

Wie verwende ich "bead needles"(Perlennadeln)?

Ich verwende am liebsten folgendes Modell zum Auffädeln:

 

 

 

 

 

 

 

Im perlenparadies-berlin.de kostet das gute Stück 1,95€:

Es folgt die übersetzte Anleitung für die Tasche 1501:

 

Das Besondere an dieser alten Tasche ist, dass sie eine runde Form hat und man von der Mitte aus mit 6 Maschen zu stricken beginnt und dann auf 9 Segmente verbreitert. Vorder- und Rückseite wurden getrennt gearbeitet (Siehe Foto No.1501B). Man strickt  2 Taschen wobei beide eine Rückseite aus grünem Samt bekommen. Bei einer der beiden Taschen wurde beim Original das obere Drittel abgeschnitten. Das weist auf ein kleines „Retikül“ hin. (Retikül ist ein spezieller Taschentyp, siehe Reticule bei Wikipedia). Das Dreieck am oberen Ende, das fehlte wurde zum Teil durch eine Häkelei mit dunkelgrünem Stopfgarn ersetzt, die Samtrückseite wurde darüber geklappt und mit einem runden Knopf mit Knopfloch versehen. Die Kanten wurden mit einer dunkelgrünen Kordel geschlossen. Für die Fransen wurden Opal-Rocailleperlen aufgefädelt. In der Mitte der Tasche beginnt man mit roten Perlen, darauf folgt ein Stern in den Farben Milchweiß und Opal, dann vor einem Hintergrund aus dunkelroten geschliffenen Glasperlen 9 Blumensträuße. Es folgen 2 Runden in mittelblau, darüber 9 Blumensträuße mit Rosen und blauen Blumen auf opalem Hintergrund. Den Abschluss bilden 2 Runden in blau. Die Perlen sollten ab Punkt A 9mal auf cremefarbene Seide gezogen werden, die anschließende Reihe darunter 9mal etc. bis zum Zentrum der Tasche. Für den Abschnitt von B bis A wird rote Seide verwendet.

Wenn man häkelt sollte man rechterhand der Reihe beginnen und das 9mal wiederholen. Die Perlen vorher immer in der gleichen Reihenfolge auffädeln, von links nach rechts und von oben nach unten. – Von A abwärts – von B bis A abwärts und von oben bis B abwärts.

Wenn man die Tasche strickt schlägt man mit cremefarbener Seide 6 Maschen an. Vorher wurden die Perlen in der Reihenfolge von A bis zum Zentrum und von links nach rechts aufgefädelt. Die 6 angeschlagenen Maschen werden auf 3 Nadeln verteilt, d.h. auf jede Nadel kommen 2 Maschen. Es folgt die

1. Runde: glatt rechts ohne Perlen. Auf die Mitte werden später rote Perlen aufgenäht, 3 Linien mit jeweils 3 Perlen.

2. Runde: 1 Masche rechts verschränkt, 1 Zunahme durch den Faden zwischen den Maschen, 1 Masche glatt rechts. Jede Nadel wird so gestrickt und dabei werden immer rote Perlen mit eingestrickt. Das ist die erste Reihe von der Musterzeichnung und man sollte am Ende 9 Maschen mit 9 roten Perlen auf den Nadeln haben.

3. Runde: 1 Masche glatt rechts, eine Zunahme, 1 Masche glatt rechts, 1 Zunahme etc. Am Ende sollte man 18 Maschen auf den Nadeln haben.

4. Runde: 1 Masche glatt rechts mit einer milchweißen Perle, 1 Masche glatt rechts mit einer Opalperle und das 9mal hintereinander.

Ab hier folgt man einfach der Musterzeichnung und nimmt nur zu, wenn ein weiteres Kästchen auf der Zeichnung dazukommt.

Material: 1 Rolle cremeweiße Seide C, 1 Rolle rote Seide C, 4 Stahlstricknadeln Nr. 19 oder 20. Perlen wie auf der Musterzeichnung.

Heute nimmt man wohl am besten Stahlstricknadeln Nr. 1,25.

Tasche 1501 übersetzte Anleitung
Nummer 1501A - Bead Work Book.pdf
PDF-Dokument [30.8 KB]

Das Retikül auch Pompadour oder Ridicule (frz. lächerlich) genannt bürgerte sich nach der Französischen Revolution ein. Die Kleidermode hatte sich so verändert, dass es keine Taschen mehr in den Röcken gab, in denen man seine Dinge verstauen konnte. Man könnte das als den Beginn der Handtaschenmode sehen. Auf Pinterest habe ich viele Bilder des Retiküls entdeckt.

Hier habe ich noch eine sehr gute andere Pinwand zur Strickkunst mit Perlen gefunden:

Hier habe ich die Mustervorlage (No.1501, Seite 5), die 9mal im Kreis gestrickt wird entsprechend den angegebenen Farbsymbolen bearbeitet:

Bead Work Book - No.1501 farbig.pdf
PDF-Dokument [872.4 KB]

Für die Opale habe ich oben dieses hellblau-türkis ausgewählt.

Opal-black1

Bildquelle: Wikimedia Commons, Autor Ra'ike

Wikipedia weiß mehr über diesen beliebten Schmuckstein:

"Als eines der wenigen amorphen Minerale besteht Opal aus hydratisiertem Kieselgel mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung SiO2•nH2O. Der Wassergehalt beträgt meist zwischen vier und neun Prozent, kann aber maximal etwa 20 % erreichen.

Die herausragende Eigenschaft, die den Opal als Schmuckstein so begehrenswert macht, ist das buntfleckige, schillernde Farbenspiel, das sogenannte Opalisieren des Edelopals. Es entsteht durch Reflexion und Interferenz der Lichtstrahlen zwischen den Kügelchen aus Kieselgel, die zwischen 150 und 400 Nanometer groß sind. Bei Edelopalen sind diese Kieselgelkugeln etwa gleich groß und liegen in regelmäßiger Anordnung und dicht gepackt vor."

94% des Weltbedarfs an Opalen wird heute in Australien geschürft. Der folgende Link zeigt die Lage der Vorkommen und der Minen dort.

Da die Autorin im hinteren Teil des Heftes erklärt wie man Perlen auch aus Blütenblättern, einheimischen Beeren, Ton und sogar Brot herstellen kann, verwendete sie vielleicht einfach nur Opalperlen aus Glas!

Eine weitere Perle über die ich in der Anleitung gestolpert bin ist die cut jet bead. Bei etsy sehen diese so aus, wenn sie aus Glas gefertigt werden:

Jet oder Jett kann auch ein anderes Wort für Gagat sein. Zitat Wikipedia: "Gagat ist durch Humusgel oder Bitumen imprägniertes fossiles Holz, das sich in einem Übergangsstadium von der Braunkohle zur Steinkohle befindet"

Noch mehr Beispiele aus dem Bead Work Book finden sich hier:

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Mehr Infos zum Perlenstricken habe ich auch im unteren Bereich der  Seite von 2014/1 und bei Nannette Höflich im 2.Bändchen.

Soviele Anleitungen wie ich dachte enthält das Priscilla Bead Work Book allerdings nicht, denn die "patterns"  für die abgebildeten Taschen sollte man sich noch für 10 oder 15 cent dazu kaufen. Solche Zusatzbögen heute zu ergattern dürfte schwierig werden.

Bei den folgenden Heften von Emma Post Barbour und anderen Autoren kommt man ohne Zukäufe aus:

Das Home Needlework Magazine

Bags in Heminway Silk

Florence Home Needlework

aktuell:

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