Max Musterdieb
Max Musterdieb

Max Strickmuster 2016/1

Frühling 2016

 

Schwälmer Stick- und Strickkunst

"Il Gondoliere" und "Le Follet"

Ch. Froschauer "Nüw Modelbuch"

G. Straub "New Modelbuch"

Klöppelspitze

Werke aus der SLUB, der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden

 

Die google-Suche "historische Strickmuster" hat mir etwas neues gebracht. Der nächste Link führt zu einer homepage mit dem Schwerpunkt auf "Schwälmer Stickmuster". Das ist vor allem Weißstickerei. Es gibt auch einige wunderschöne Bilder alter Strickmuster.

Mehr zu diesem Thema findet sich auch hier:

Dieses Buch hat Max Musterdieb erst einmal bestellt, auch wenn er kein ausgewiesener Freund von Heimatbünden ist.

Heute hat mir der Briefträger das Buch gebracht. Auf den ersten Blick macht es mit den Erklärungen der Strickmodelle, der Deutung der Muster und den Anleitungen einen ziemlich fundierten Eindruck. Außer den Mustern sind auch viele Fotos und Geschichten zu entdecken.

Am verbreitesten sind Herzmuster auf hessisch auch "Häzzer" genannt. Sie tauchen in vielen Varianten auf, vom einfachen Lochherz über das Lochmusterherz zu Schleifenherzen, Gitterherzen oder "Petzküche"-Herzen. Desweiteren werden Schlängchen, Börtchenmuster, Pfauenmuster, Hufeisenmuster, Bäumchen- oder V-Muster, Gänsefüßchen, Rosenknospen, Seufzermuster, Schachbrettmuster, Muschelmuster, Kreise (Gänseauge), Achtchen, Sterne, Gittersterne, Zwetschgenstein ("Quetschestee"), Tulpen (Tulipan), Nähtchen, Spitzenränder, Erbslöcher, Prinzeßmuster, Perlenstricken sowie im Schlusskapitel das Einlegemuster erklärt und mit Strickschrift bebildert. Das Einlegemuster scheint stricktechnisch das komplizierteste zu sein, denn es wird ein zweiter Faden mitgeführt, der entweder vor oder hinter den Maschen liegt. Dadurch wirkt das Gestrick wie gewebt und wird auch dicker und fester.

Abgerundet wird das Ganze noch durch Erläuterungen, wie man einen Strumpf, ein Käppchen oder einen Handschuh strickt.

Für diejenigen, die sich für die Stickerei interessieren ist eine mehrteilige Folge von Anleitungen auf youtube veröffentlicht worden.

Th. Gomberts "Hessenstickerei Schwalm" lag zufällig im Antiquariat für 3,33€ ! Frau Gombert ist Kunstfachlehrerin und Stickereimeisterin, sie hat das Heft im Eigenverlag herausgebracht.

Im Museumsshop steht, dass sie in den 40ger Jahren tätig war, außerdem findet man dort noch 30 weitere Hefte mit Mustern und Anleitungen.

Von der Österreichischen Nationalbibliothek ist im Februar die Zeitschrift "Il Gondoliere", Journal für Wissenschaft, Literatur, Künste, Mode und Theater eingescannt worden.

 

Die genaue Information der ÖNB:

"Il Gondoliere. Journale die Scienze, Lettere, Arti, Mode e Teatri

1833-1848

Erscheinungsweise

zweimal wöchentlich

Erscheinungsort

Venezia (Venedig)

Redaktion

Paolo Lampato (1833-1834), Luigi Plet (1834-1843), Luigi Carrer (1843)

wikipedialink:

Il Gondoliere. Journale die Scienze, Lettere, Arti, Mode e Teatri auf wikipedia"

Die enthaltenen Illustrationen habe ich auf Pinterest gepinnt.

Diese Illustrationen stammen alle aus "Le Follet", einem Pariser Modejournal.

"Le Follet" auf Google:

In der Züricher Zentralbibliothek befindet sich folgendes Buch von 1561 über Spitzenarbeiten:

 

"Nüw Modelbuoch : allerley Gattungen Däntelschnür, so diser Zyt in hoch Tütschlanden geng und brüchig sind / zuo Underricht jren Leertöchteren unnd allen anderen Schnürwürckeren zuo Zürych und wo die sind yetz nüwlich zuobereit und erstmals in Truck verfergket durch R. M."

 

Aus der Original-"Vorred":

"San die selbigen im jar 1536 erstmals durch die Koufflüt uß Venedig un Italien ins Tütschland bracht worden."

Wenn man sich die Illustration auf dem Titelblatt genauer ansieht, findet man, meiner Meinung nach, die gleiche Anordnung von Kissen, Nadeln, Fäden und Holzklöppeln wie auf dem nachfolgenden Bild. Däntelschnür ist also Klöppelspitze, klingt "Däntel" nicht so ähnlich wie "dentelle" (frz. Spitze)?

Klöppeln. Heimantmuseum Annerod

Ich habe für euch und für mich aus der Wikipedia einen kleinen Crashkurs zur Klöppelspitze kopiert:

 

"Beim Klöppeln werden Fäden nach einem bestimmten Muster verkreuzt bzw. verdreht, den sogenannten Schlägen. Auf rollenförmigen (traditionell vor allem in Deutschland) oder flachen Klöppelkissen (traditionell vor allem Frankreich und Belgien) oder Kombination von beiden wird eine Musterzeichnung festgesteckt, der Klöppelbrief. Das Garn wird auf Klöppel gewickelt, mit Nadeln paarweise auf dem Klöppelsack befestigt und dann durch Kreuzen und Drehen der Klöppel verzwirnt, verflochten bzw. verwebt. Die Verkreuzungsstellen werden an den durch das Muster vorgegebenen Nadelpunkten mit dünnen Nadeln am Platz gehalten, bis ihre Position durch die nachfolgenden Schläge fixiert ist. Am Ende einer Klöppelarbeit wird diese mit Haar- oder Spezialspray (Neuzeit) oder Wäschestärke fixiert.

Echte, also handgefertigte Klöppelspitzen werden traditionell in creme/weiß oder schwarz aus Leinen, Baumwolle oder aus cremefarbener Seide (Blonde) gemacht; heute werden auch farbige Fäden verwendet. Das Klöppeln erfreut sich heute noch großer Beliebtheit und hat weltweit verschiedene Zentren. Im Erzgebirge, einem traditionellen Zentrum deutscher Spitzenherstellung, wird Handklöppelspitze noch gepflegt. Bekannte Klöppelspitzen sind etwa Mechelner, Brüsseler, Honiton, Valenciennes, Torchon oder Schneeberger.

Mechelener Spitze: Rokokospitze, bei der ein starker Konturfaden aus Leinen das Muster umrandet.
Brüsseler Spitze: Sie gibt es in Klöppel- und Nadeltechnik. Besonderes Merkmal ist die gesonderte Herstellung von Grund mit der Nadel und dem feinen Muster, welches geklöppelt wurde. Erkennungszeichen ist ihr feines bandartiges Relief. Sie wird auch Points d’Angleterre (englische Spitze) genannt, weil sie illegal nach England verschifft und dort als landeseigene Ware verkauft wurde.
Torchon: Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, ursprünglich eine Klöppelspitze mit geometrischem Muster, die schließlich maschinell hergestellt wurde.

Technologische Begriffe bei Nadel- und Klöppelspitzen
Flechte/Flechtschlag (Klöppeln): Vier Fadenelemente werden kontinuierlich gekreuzt und gedreht.
Formenschlag (Klöppeln): Ein (aktiver) Faden wird über drei passive Fäden hin und her geführt. Der Effekt ist der eines leinwandbindigen Gewebes mit Schusseffekt. Er dient zur Darstellung von rechteckigen Formen und Bändern.
Leinenschlag (Klöppeln): Ein (aktives) Fadenpaar wird durch mehrere (passive) Fadenpaare geführt. Der Effekt ist der eines leinwandbindigen Gewebes.
Picot: Kleine Stäbchen, die in der Nadel- und Klöppelspitze zur Auszier von Motiven, Stegen und Randabschlüssen gearbeitet werden.
Steg: Bei Nadel- und Klöppelspitzen die Verbindung zwischen den Motiven. Füllen sie in der Nadelspitze eine größere Fläche, spricht man von Steggrund."

 

Dieser Knopf führt zum pdf-download des Nüw Modelbuch:

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Christoph Froschauer war ein großer Züricher Buchdrucker. Er lebte von 1490 bis 1564 und gab ungefähr 1000 Bücher in 1Mio. Exemplaren heraus. Sein Handwerk hatte er in Augsburg gelernt. Als Anhänger der Reformation ging er in die Schweiz und veröffentlichte dort in Zusammenarbeit mit Zwingli die "Zürcher Bibel".

Froschauer.jpg
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1486646

Dieses Heft habe ich bei e-rara.ch gefunden, das ist die Plattform für digitalisierte Drucke Schweizer Bibliotheken.

Herr Froschauer hat mich natürlich neugierig gemacht und ich habe noch ein weiteres Werk aus dem schweizer rara-Portal angeklickt. Das "New Modelbuch" wurde von Georg Straub verlegt.

Der genaue Titel lautet:

New Modelbuch, darinnen allerley Gattung schöner Mödeln, der newen aussgeschnitnen Arbeit auff Krägen, Hempter, Facelet und dergleichen zuneyen, so zuvor in Teutschland nicht gesehen : allen tugentsamen Frawen und Jungkfrawen, Nätterinnen, auch allen andern so lust zu solcher künstlichen Arbeit haben, sehr dienstlich / in Verlegung Georg Straub

Zum pdf-file geht's hier entlang:

Die folgenden zwei Hefte aus dem vorletzten Jahrhundert zeigen, wie man die ganzen alten Zeichnungen in den Renaissance-Modelbüchern zu interpretieren hat und wie man sie nacharbeiten kann. Was sind eigentlich "punto in aria"-Arbeiten oder Reticellaspitze etc.?

Die schönen Seiten von Dresden:

SLUB - Parasole - SPECCHIO "SLUB8 -Variante 1" by Kay Körner - :file:SLUB8.jpg. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Die SLUB in Dresden

Hier kommen die ersten Fundstücke aus der SLUB. SLUB ist "Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden". Gefunden habe ich "Das neue Strickbuch von Jenny Lambert, Leipzig, 1846." und "Das neue Häkelbuch II" von derselben Autorin.

Dabei handelt es sich um aus dem Englischen übersetzte Zusammenstellungen der Bücher von Miss Frances Lambert und Mrs. Cornelia Mee, die beide um 1850 im viktorianischen Großbritannien veröffentlicht wurden.

Und wer hätte das gedacht? Im Archiv der SLUB liegt ein Original von Isabetta Catanea Parasole, das ist ein römisches Musterbuch aus dem 16.Jahrhundert!

Es ist nicht der vielzitierte Band von 1616 sondern ein älteres Exemplar mit einem Vorwort vom 20. September 1594, das von Pietro Spada  im Jahre 1596 in Rom gedruckt wurde.

Der genaue Titel lautet:

SPECCHIO DELLE VIRTUOSE DONNE

Doue si vedono bellissimi lauori di punto in aria, reticella, die maglia & piombini

disegnati da Isabetta Catanea Parasole

Stampato in Roma per Pietro Spada l'Anno MDXCVI

 

Das Werk umfasst insgesamt 40 Seiten, davon ein Deckblatt und eine Widmung. Die 38 Musterblätter gliedern  sich in 6 Punto in Aria-Arbeiten, 20 Reticella-Arbeiten, 7 Maglia Quadra-Arbeiten, 2 Meza Mandolina-Arbeiten sowie 3 Blätter mit 4 Klöppelspitzenrändern.

Hier geht's direkt zum pdf-download:

Und das sind die Seiten auf einer Pinterest-Pinnwand:

Die Widmung richtet sich an Signora Maria Felice Orsina Caetana, Duchessa di Sermoneta.

Sermoneta liegt 70km südöstlich von Rom und besitzt einen sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Ortskern, welcher von einer Burg der Familie Caetani  (14.Jh) dominiert wird.

Sermoneta mit dem Castello Caetani
Von Mentnafunangann - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10576097

Die folgenden Werke liegen auch in der sächsischen Landesbibliothek:

Ein sehenswerter Überblick über die aktuellen Stickmoden um 1911/12

Es trifft nicht alles meinen Geschmack und es finden sich hier auch sehr viele Möbel, Glasfenster und ähnliches, dennoch glaube ich, dass diese Fotos sehenswert sind!

Ob von diesen Dingen etwas die Nazizeit und zwei Weltkriege überlebt hat?

Veröffentlichungen des deutschen Werkbundes:

"Die deutsche Kunst im Kriegsjahr" ist zur Ausstellung von 1914 in Köln erschienen.

Veröffentlichungen des deutschen Werkbundes von 1920:

"Handwerkliche Kunst in alter und neuer Zeit"

Die "Schiffchenspitze" enthält Anleitungen für Leute, die diese Technik beherrschen.

...und passend dazu fand ich im Internet Archive ein weiteres Werk von Tina Frauberger, die als Vorsteherin der Kunststickereischule in Düsseldorf tätig war "Das Handbuch der Spitzenkunde" aus dem Jahr 1894.

Über so Wortschöpfungen wie "Austral-Neger" in diesem Buch bin ich nicht glücklich, sie scheinen allerdings nicht abwertend gemeint zu sein.

Wie Frauenzimmer sich je nach Herkunft Ende des 16.Jhs. kleideten möchte ich euch nicht vorenthalten.

 

Gynaeceum sive theatrum mulierum

 

dtsch. Im Frauwenzimmer wirt vermeldt von allerley schönen Kleidungen und Trachten der Weiber […] Durchaus mit neuwen Figuren gezieret. Franckfurt am Main, Sigmund Feyrabends, 1586 (Frauentrachtenbuch) illustriert von Jost Amman

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Das Heft liegt auch in der "Smithsonian Library" und dieses Exemplar gibt es dann auch zum Blättern im "Internet Archiv".

aktuell:

Historische Strick- und Stickmuster

Max Musterdieb ist immer auf der Suche nach alten Vorlagen im Internet und in Antiquariaten

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